Der Obstanbau will
wohl überlegt sein !

Der Obstbau erfordert eine ganz andere Vorgehensweise, als der Gemüsebau. Hat sich die eine Salatsorte als untauglich erwiesen, so wird im kommenden Jahr eine andere bevorzugt. Obstbäume pflanze ich hingegen in der Regel nur einmal. Lass ich dabei die obstbaulichen Notwendigkeiten außer Acht, so darf ich mich in der Folgezeit stets über die untauglichen Bäume ärgern. Ihnen allen möchte ich daher ans Herz legen, das ein Mensch niemals zu alt sein kann, noch einen Obstbaum zu pflanzen. - Es gibt da doch die Spindelbuschsorten, die in zwei, drei Jahren schon die ersten Äpfel reifen lassen.

verschiedene BirnensortenDoch auch andere Obstarten können bereits früher zum Ertrag kommen, beispielsweise Birnen, sofern es frühfruchtende, auf Quitte veredelte Sorten sind. Pfirsiche fruchten bereits im dritten Jahr nach der Pflanzung, Aprikosen im vierten Jahr. Zwetschen, Pflaumen und Reineclauden haben es da nicht so eilig, sie lassen auch mal 10 Jahre vor der ersten Ernte vergehen.

Im Schrebergarten haben Sie die Möglichkeit, die Bäume nach drei Jahren auszugraben und nach einem kräftigen Rückschnitt neu zu pflanzen. Der größte Teil der Wurzeln bleibt dabei in der Erde zurück. Das bewirkt, das der Baum in nächster Zeit nicht mehr so viele Nährstoffe aufnehmen kann, um wieder stark zu treiben. Die Kurztriebigkeit führt jedoch zur Fruchtbarkeit! Diese Erzwingung der frühen Fruchtbarkeit ist unter Fachleuten zwar verpönt, als Schrebergärtner auf dem eigenen Acker können Sie aber so einiges unternehmen, was im zünftigen Erwerbsobstbau nicht gerade gern gesehen wird. So behandelt, können Sie voraussichtlich im kommenden Jahr mit einer reichen Ernte rechnen.

rote Stachelbeeren, saftig und süßWas nun das Beerenobst in Ihrem Schrebergarten anbelangt, so ist bei Johannis- und Stachelbeeren ebenfalls im dritten Jahr mit Ertrag zu rechnen. Erdbeeren verwöhnen Sie bereits im ersten Jahr nach der Pflanzung mit ihren leckeren Früchten.

Wenn Sie also die alten, den Sorten nach untauglichen, Obstbäume und erschöpften Beerensträucher roden und den Garten neu bepflanzen, so gehen Sie kein nennenwertes Risiko dabei ein, weil ja nach relativ kurzer Zeit wieder geerntet werden kann.

Bäume, die mit der Zeit riesengroß werden, haben im Schrebergarten nichts zu suchen. Zwergbäume heißt hier das Zauberwort. Doch auch da sollten Sie bei der Wahl aufpassen, denn es ist für den Ertrag von entscheidender Bedeutung, auf welche Unterlage, also welchen Wildling, die Edelsorte veredelt worden ist. Die Baumschulen haben in früheren Zeiten die Apfelzwergbäume so wie waagerechte und senkrechte Schnurbäume und auch andere hauptsächlich auf den starkwüchsigen EM-Unterlagentyp XVI (Schwarzer Doucin genannt) veredelt. Etwa 10 % dieser Bäume werden hingegen mit dem zwar schwachwüchsigen dafür aber früh- und reichfruchtenden EM-Unterlagentyp IX veredelt. Auch heute noch sind in zahlreichen Kleingärten die nach Typ XVI veredelten Bäume anzutreffen. Diese wachsen stets üppig, je mehr sie geschnitten werden. Fruchten aber nur dann reich, wenn es sich um ganz bestimmte Sorten wie z. B. um den Weißen Klarapfel oder den James Grive usw. handelt. Die anderen Bäume hätte man schon längst roden sollen.

Gerade hier bei uns in Deutschland sind die Kleingärtner in ihren Fachverbänden vorbildlich organisiert. Da gibt es die Vereinszeitungen wie auch zahlreiche Fachzeitschriften, die quasi eine gärtnerische Beratung übernehmen. In den Vereinen stehen den Mitgliedern Fachberater zur Verfügung, die sich ebenfalls als Vereinsmitglieder durch ihr besonderes Fachwissen ausgezeichnet haben. Gerade bei Neuanlagen hat es sich gezeigt, daß die, die sich an die Obstbauberatung hielten, besser gefahren sind als jene, die frei Schnauze gepflanzt haben.

ObstAuch heute noch möchte ein angehender Gartenbesitzer, egal ob Kleingärtner, Siedler oder Hausgartenbesitzer, am liebsten alle Obstsorten in seinem Garten haben. Sie auch? Vergessen Sie's! Wenn Obstbäume gepflanzt werden, so sollen es die besten und wertvollsten Obstarten sein. Die Anforderungen für den Schrebergartenobstbau lassen sich in einigen Punkten zusammenfassen:

Um den im Garten vorhandenen Platz bestmöglichst auszunutzen empfiehlt es sich, die Äpfel und Birnen als nicht zu hohe senkrechte Schnurbäume entlang der Grundgrenze zu setzen. Hierbei hat sich die Nord- Südrichtung der Spaliere als vorteilhaft erwiesen. So werden die Bäume am Vormittag auf der einen und am Nachmittag auf der anderen Seite von der Sonne beschienen. Um auch dahinter noch bequem arbeiten zu können, sollte ein Abstand zur Grenze von gut einem Meter eingehalten werden. Es ist vollkommen ausreichend, wenn die Spaliere bis zu 2 Metern hoch werden. Die Steinobstbäume sollten Halbstämme sein, um sich in dem kleinen Garten auch unter den Bäumen noch bewegen zu können. Gerade wenn Kinder in der Familie sind, brauchen diese Platz, auch im Garten. Lediglich die Pfirsichbäume werden als Buschbäume gezogen, insbesondere dann, wenn sich der Gärtner auf den alljährlich auszuführenden, speziellen Pfirsichschnitt einstellt. Äpfel und Birnen sind als senkrechte Schnurbäume oder als Palmetten (Heckenkultur) am Spalier zu ziehen. Hierzu bietet sich der Zwischenraum an der Grundstücksgrenze an. Andernorts aber wären Äpfel als Spindelbüsche und Birnen freistehende Spindeln oder als Buschbäume zu ziehen. Mehr darüber im Kapitel Obstgarten.

JohannisbeerenFür den Schrebergärtner kommen als Beerenobst in erster Linie Johannisbeeren und Stachelbeeren als Büsche oder als Kronenbäumchen auf den Plan. Als Büsche sind sie entlang der Grenze zu pflanzen, was in diesem Fall auch ruhig in Ost- Westrichtung sein kann, weil die Sträucher keinen behindernden Schatten in den nördlichen Nachbargarten werfen. Kronenbäumschen lassen sich bestens in Rabatten setzen und darunter Erdbeeren, Blumen oder Gemüse, ganz nach Belieben.

Der Obstertrag sollte bei einer guten Gartenbetreuung bei 4 kg/m² liegen. Nehmen wir einmal an, das Ihr Garten 400 m² groß ist und davon 200 m² mit Obstpflanzungen besetzt sind, dann sollten zumindest in guten Jahren am Ende der Erntezeit also 800 kg auf der Waage liegen! Die Hälfte davon sollte Winterobst sein.

Der gesundheitliche Nutzen ist nicht von der Hand zu weisen. Klar, wenn es bestes Obst aus dem eigenen Garten in Hülle und Fülle gibt, braucht dieses nicht gekauft zu werden, was auch zum häufigeren Verzehr führt. Mit jeder Erweiterung der obstbaulichen Kenntnisse ist parallel auch mit einer Steigerung der Erträge zu rechnen.